Mit 100 Gästen zur Oper „La Traviata“

Quickborner Tageblatt, 10. Januar 2015, von Nadine Stritzke

Heike-Schröder[1]Heike Schröder organisiert seit zehn Jahren den Theaterbus für Kulturinteressierte aus Ellerau und Quickborn / Angebot aus der Not heraus geboren

ELLERAU/QUICKBORN: Heike Schröder strahlt – die Kekse stehen bereit, der Kaffee ist fertig, der Weihnachtsbaum in ihrem Wohnzimmer im Buchenweg hat noch eine Gnadenfrist bekommen. Wenn sie von ihrem Hobby erzählt, winken viele ihrer Freunde ab. „Das wäre mir viel zu stressig“, meinen die meisten. „Mir macht das Organisieren dagegen wirklich großen Spaß“, lacht die Ellerauerin, „und auch, mich um die Kleinigkeiten zu kümmern.“

Ein gewisses Organisationstalent brauche man als Selbstständige und fünffache Mutter. Die Kinder sind zwar heute schon zwischen 23 und 34 Jahre alt und fast alle aus dem Haus, aber viel zu tun ist trotzdem stets.

„Meine große Leidenschaft ist die Kultur“, so Schröder. „Und mehr aus der Not heraus habe ich vor zehn Jahren angefangen, Bustouren zu kulturellen Veranstaltungen zu organisieren“. Die Not: Das sei die mangelnde Freizeit gewesen. „So habe ich einfach etwas Handfestes in Form des Theaterbusses organisiert. Und dann mussten wir schließlich hin.“

„Mein Mann Rolf und ich haben seit 32 Jahren das Geschäft nebenan und sind spezialisiert auf Computerverkauf und -schulung“, sagt die 59-Jährige. Zu Anfangszeiten hatten sie beispielsweise den ersten Apple-Computer in ihrem Laden. „Damals kostete der 25 000 Mark“, erinnert sich die ausgebildete Pädagogin, die ursprünglich an der Berufsschule Norderstedt arbeitete.

„Der Bedarf an Schulung in unserem Betrieb wurde aber immer größer, also habe ich außer Buchhaltung auch noch Industriekaufmann gelernt und ein Sekretärinnen Diplom gemacht“, so Schröder. Mit der Selbstständigkeit sei das so eine Sache. „Man arbeitet eben selbst – und ständig“, scherzt sie. Zusätzlich arbeitet sie aktuell in Schleswig bei einer Sehschule für Kinder. Deshalb seien gemeinsame Aktivitäten selten zustande gekommen.

Die Zahl der Teilnehmer sei zunächst überschaubar gewesen. „Ich kann mich noch an unsere erste Ausfahrt erinnern. Wir waren acht Personen – fünf davon meine Familie“, sagt sie. Doch seitdem sei das Interesse groß geworden. Durchschnittlich 100 Personen, Ellerauer und Quickborner, kommen zu jeder von ihr organisierten Tour.

Unter dem Dach des Bürgervereins organisierte sie regelmäßig Ausfahrten. Ob ins Theater, zu Konzerten oder in eine Gartenschau: Das Programm sollte möglichst vielfältig sein. Nach einigen Jahren gab es Differenzen. Der Verein wollte sich politischer präsentieren, die Kultur sollte weichen. „Da habe ich mir überlegt, das Angebot selbst weiterzuführen“, sagt Schröder. Doch wie sollte das gehen? „Organisatorisch kein Problem, schließlich blieb für mich alles beim Alten, ich war nur freier in der Gestaltung“, erklärt die Ellerauerin.

Doch sie wollte den Teilnehmern auch eine gewisse Sicherheit bieten. „Zwar ist das Ganze nur mein Hobby und somit nicht gewinnorientiert, aber Geld nehmen muss ich natürlich trotzdem“, so Schröder. Deshalb beschlossen sie und ihr Mann, den Theaterbus mit in ihre Firma NordComp aufzunehmen. „Das bedeutet zwar eine Menge Extra-Arbeit, schließlich gibt es bei einer GmbH die doppelte Buchführung“, erklärt sie. Dafür sei aber alles offiziell und abgesichert. Zwar würden von Zeit zu Zeit die Finanzämter nachfragen – schließlich seien Computer und Kultur eine eher außergewöhnliche Mischung. „Aber das verstehen sie meistens recht schnell“, zwinkert Heike Schröder.

Ihre Ausfahrten bietet sie in kompakten Angeboten an. „Meist sind es Dreier-Abos zu bestimmten Themenschwerpunkten“, erklärt sie. Dadurch seien die Teilnehmer nicht für einen langen Zeitraum gebunden und könnten sich konkret für oder gegen eine feste Zusammenstellung entscheiden. Unterstützt wird sie bei ihren Unternehmungen von der Hamburger Volksbühne.

Für dieses Jahr stehen unter anderem das Stück „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ und „Ziemlich beste Freunde“ in den Hamburger Kammerspielen auf dem Programm. Ab und zu sucht die 59-Jährige auch etwas Spezielles aus. „Im Juni geht es zu einen Poetry-Slam ins Ernst-Deutsch-Theater“, sagt sie. Das ist zwar nicht für jeden etwas. Aber: „Ein buntes Programm ist mir wichtig.“

Besonders ältere Menschen nutzten ihr Angebot. „Das liegt auch daran, dass sie es nicht so sehr mögen, nachts noch allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Hamburg unterwegs zu sein. Stattdessen treffen sie sich lieber auf dem Edeka-Parkplatz in Ellerau und werden dann bis vor die Tür der Veranstaltung gefahren“, sagt Schröder.

Nadine Stritzke